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Burundi – Geographie
Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas, aber sehr dicht besiedelt.Die Republik Burundi liegt in Zentralafrika. Die Landesfläche beträgt 27 834 km². Das Land liegt am Tanganyikasee in Zentral-Ostafrika, südlich der Sahara in der so genannten Region der Großen Seen . Zwischen dem Viktoriasee und dem Tanganyikasee gelegen, wird Burundi von einem Hochplateau (1.400 – 1.800 Meter) durchzogen, das allmählich auf über 2.700 Meter ansteigt. Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit zwei Regenzeiten. Regen fällt hauptsächlich von Februar bis April, September bis Dezember. Die Temperaturen werden durch die Höhenlage gemildert. Niederschlag fällt durchschnittlich 1.000 mm im Jahr. Nachbarländern sind: Rwanda (Nord), Kongo (West) und Tansania (Ost). Das Klima ist tropisch, wird jedoch durch das Wasser des Tanganyika Sees und die Höhenlage gemäßigt. Die durchschnittlichen Temperaturen variieren zwischen 20 °C (Ost) und 28 °C (West).
Burundi-Bevölkerung In Burundi gibt, im Gegensatz zu manchen Vorstellungen, keine verschiedenen Stämme, Völker oder Ethnien. Nach aktueller Meinung war das Gebiet, in dem sich heute die Staaten Ruanda und Burundi befinden, ursprünglich besiedelt von den Vorfahren der Twa, einem Stamm, der mittlerweile in beiden Ländern nur noch einen sehr geringen Anteil an der Bevölkerung stellt und der an der politischen und sozialen Entwicklung praktisch nicht beteiligt war und immer noch nicht ist.Die Bevölkerung Burundis setzt sich aus drei Volksgruppen zusammen : Die Bahutu, die den größten Bevölkerungsanteil stellen, die Batutsi und die Batwa. Diese Zusammensetzung der Bevölkerung stellt im Grunde eine positiv nutzbare soziale wie auch kulturelle Vielfalt dar. Auch wenn es deswegen immer wieder zu Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt, liegt die Zukunft Burundis gerade in dieser Vielfalt der Kulturen. Die Menschen sprechen die gleiche Bantusprache Kirundi , teilen die gleichen Sitten, gehören dem gleichen sozialen und politischen Gefüge an und teilen die gleiche Religion. Größte Bevölkerungsgruppe mit 85 Prozent sind die Hutu, die hauptsächlich die "einfache", vorwiegend bäuerliche Bevölkerung stellten. Zirka 14 Prozent der Bevölkerung gehören zu den Tutsi, den Rest bilden die Twa (1%). Tutsi stellten schon seit Jahrhunderten die politische Führung. Trotz eines geringen Urbanisierungsgrades liegt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte bei ca. 250 Einwohnern pro km², die Folgen dessen sind Landknappheit, Umweltzerstörung und die daraus resultierenden Konflikte. Etwa 10% der Bevölkerung (ca. 690 Tsd.) sind auf Grund des 11-jährigen Bürgerkrieges (1993-2003) in die Nachbarländer geflohen. Burundi gehört zu den am stärksten christlich missionierten Ländern Afrikas. Über 85% sind Christen, davon ca 75% Katholiken und ca 10% Protestanten. Die restlichen 15 % sind moslemischen Glaubens bzw. ohne Religion. Die Bevölkerungszahl wird auf ca. 6,9 Millionen geschätzt. Burundi-Geschichte Vorkoloniale Zeit Vor einigen Jahren war man allgemein noch der von Rassenforschern der vorletzten Jahrhundertwende entwickelten und in den zwanziger und dreißiger Jahren weiterentwickelten Meinung, dass das Gebiet zunächst von der heute als Hutu bekannten Gruppe bewohnt wurde, zu denen in einer weiteren Migrationsbewegung die Tutsi aus dem Gebiet des heutigen Äthiopien oder des heutigen Ägypten hinzukamen, und zwar in zwei Wellen, wodurch die beiden unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Tutsi, die sich später teilweise verfeindet gegenüberstanden, erklären ließen. Die von Forschern des 19. Jahrhunderts vorgefundenen Herrschaftsstrukturen wurden dementsprechend als durch die Ankunft der „überlegenen Rasse“ verursacht angesehen. Burundi hat eine Jahrhunderte alte Geschichte als Monarchie und ist, anders als die meisten schwarzafrikanischen Staaten, keine willkürliche Schöpfung der Kolonialherren. Burundi war schon jahrhundertelang ein selbstständiges Königreich. Zu Beginn der 90er Jahre, als die Region auf Grund der politischen Entwicklung (auf die später noch eingegangen wird) in den Blickpunkt der Forschung geriet, wurde die schon länger bekannte These verbreitet, wonach völkische Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi nicht existierten und erst in der Kolonialzeit postuliert worden seien. Nach neuerer Vorstellung lassen sich die Unterschiede zwischen Hutu und Tutsi strukturell erklären: Die Gruppen seien zunächst nur funktionell benannt worden (Tutsi bedeutet „reich an Rindern“, was gesellschaftlich gleichbedeutend mit einflussreich war, während Hutu eine Person bezeichnete, die untergeordnet war). Erst nachdem dieser funktionelle Unterschied benannt worden war, begannen demnach die jeweiligen Gruppen sich zu separieren, Heiraten zwischen Mitgliedern unterschiedlicher sozialer Herkunft wurden seltener, dadurch entstand ein getrennter Genpool und somit eine Manifestation der Unterschiedlichkeit, die sich nun tatsächlich auch im Aussehen so deutlich niederschlug, dass die später behaupteten rassischen Unterschiede nicht vollkommen falsch waren. Eine weitere vertretene Meinung schließlich schließt unterschiedliche lokale Ursprünge der Gruppen nicht aus, merkt aber an dass diese nicht zur Erklärung der heutigen Gruppenzugehörigkeit von Individuen taugen, da diese sich sozial von eventuellen Ethnien weg entwickelt hätten. Später bildete sich ein Staat unter der Führung eines Mwami (Königs) heraus. Insgesamt gab es rund dreihundert Tutsi-Clans, von denen sich jedoch bloß deren vier Königsrechte erwarben. Der Mwami rekrutierte sich aus den Clans der Bataga (Königstitel Mutaga), Bezi (Königstitel Mwezi), Bambutsa (Königstitel Mwambutsa) und Batare (Königstitel Ntare). Aus allen Tutsi-Clans bestand der Hochadel, als Ganwa bezeichnet. Diese Adeligen waren auf lokaler Ebene recht unabhängig gegenüber dem König. Unterhalb der Adelsschicht waren die gewöhnlichen Mitglieder der Tutsi, die alleine über Bodenrechte und Großvieh verfügten. Die Untertanen, die Hutu, bewirtschafteten das Land. Im Verlauf der Jahrhunderte kam es zu zahlreichen Mischehen zwischen Tutsi und Hutu, so dass die ethnische Zugehörigkeit eine Frage der Lebenshaltung wurde. Viehzüchter galten als Tutsi, Ackerbauern als Hutu. Beide sprachen Kirundi. Im 19. Jahrhundert hatten sich die Bewohner massiv gegen Sklavenjagden von arabischen Sklavenhändlern von der afrikanischen Ostküste zu wehren. Die ersten namentlich bekannten Europäer, welche das heutige Burundi bereisten, waren Richard Francis Burton und John Haning Speke im Jahr 1858. Diese waren auf der Suche nach den Nilquellen bis zum Tanganyikasee vorgestoßen. Ihnen folgten 1871 Henry Morton Stanley und David Livingstone. Als nächste kamen 1879 Missionare aus dem Orden der Weissen Väter ins Land, wurden aber 1881 der Freundschaft mit den Sklavenhändlern beschuldigt und von Einheimischen ermordet. Bei der Kongo-Konferenz wurde das Gebiet am 8. November 1884 dem deutschen Einflussbereich zugeteilt. Koloniale Zeit´ Vorerst besetzten die Deutschen das Land nicht. Die Grenzen mit dem Kongo wurden 1885, diejenige zu den britischen Gebieten 1886 definiert. Im Jahr 1892 bereiste der Österreicher Oskar Baumann das Land, welches zusammen das Gebiet Ruanda-Urundi innerhalb von Deutsch-Ostafrika bildete. Erst im Jahr 1896 trafen erste deutsche Missionare und Soldaten ein. Die Militärstation Usumbura (heute die Stadt Bujumbura) wurde gegründet. Im Rahmen der kolonialen Aufteilung Afrikas durch die europäischen Mächte nahm das Deutsche Reich nach der Berliner Afrika-Konferenz die beiden Königreiche Ruanda und Urundi in Besitz und gliederte sie seinem Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika ein. 1899 wurde Burundi Teil des Protektorats Ruanda-Urundi mit dem Hauptort Usumbura. Das Deutsche Reich praktizierte das System der indirekten Herrschaft-, d. h., es ließ die bestehenden Strukturen weitgehend unangetastet und die Könige im Amt, soweit sie mit der deutschen Oberhoheit kooperierten. Die deutsche Kolonialherrschaft regierte das Land mit Hilfe des Mwami und der lokalen Adeligen. Die Deutschen beschränkten sich auf die indirekte Herrschaft in Gestalt einer Residentur; der deutsche Resident stand ähnlich wie in englischen Protektoraten dem einheimischen Fürsten kontrollierend und beratend gegenüber.Bis 1906 war das Gebiet Militärbezirk, seither unter ziviler Verwaltung. Der Aufbau kolonialer Einrichtungen wie Schulen und Spitäler beginnt 1909. Parallel begann die Missionierung, bei der die Katholiken (auch mit Gewalt) sich durchsetzten. Im 1. Weltkrieg wurde im Jahr 1916 das Land von belgischen Streitkräften erobert und danach vom Völkerbund-Belgien als Teil des Mandatsgebietes Ruanda-Urundi zugesprochen. Im Friedensvertrag von Versailles wurde Burundi am 28. Juni 1919 als Teil von Ruanda-Urundi Belgien als Völkerbundsmandat erteilt. Die Belgier verbieten 1924 alle Arten von Sklaverei. Ab 1925 wird das Land vom Kongo her regiert. Auch Belgien verfolgte weitgehend das Prinzip der -indirekten Herrschaft- und stützte die Tutsi-Monarchen, wie etwa Mwambutsa IV. in Urundi (Burundi), was nicht dazu beitrug, die bereits bestehenden ethnischen und sozialen Spannungen zwischen der privilegierten Tutsi-Minderheit und der breiten Masse der Hutu abzubauen.
Am 13. Dezember 1946 wird das Land UNO-Mandat unter belgischer Verwaltung. Bei den Lokalwahlen gewinnen im Jahr 1953 Hutu-Parteien. Bei den Regionalwahlen hingegen Tutsi-Parteien. Dies führte zu einem Auseinanderleben von Tutsis und Hutus, weil Letztere sich weiterhin unterdrückt fühlen. Ab September 1959 werden zahlreiche Parteien gegründet, die zumeist ethnischen oder Clan-Grenzen folgen. Eine Ausnahme bildet die UPRONA ( Union pour le Progrès National), in welcher sowohl Hutus wie Tutsis in der Führungsriege vertreten sind. Im November 1959, während das Ruanda-Urundi auf die Unabhängigkeit vorbereitet wird, kommt es zu einem Flüchtlingsstrom von vertriebenen Tutsis aus Ruanda. Dies führt zu schweren Unruhen zwischen Hutus und Tutsis, welche von den Belgiern unterdrückt werden, was in der Folge durch immer wiederkehrende Konflikte im Grenzgebiet auch innerhalb Burundis zu einem erhöhten Rassendenken führte. Im Frühjahr 1961 erhält das Land eine autonome Interims-Regierung unter dem Hutu Joseph Cimpaye, welche aus zahlreichen Parteien besteht. Am 29. September 1961 finden unter UNO-Aufsicht erste Parlamentswahlen statt, die die UPRONA klar gewinnt. An Stelle von Cimpaye wird Prinz Louis Rwagasore neuer Premierminister. Bereits am 13. Oktober 1961 wird der Regierungschef, der mit einer Hutu-Frau verheiratet war, von einem bezahlten Mörder, einem Griechen namens Ioannis Kageorgis, ermordet. Angehörige des Batare-Clans, welche der Parti Démocrate Chrétien (PDC) angehören, werden beschuldigt, Auftraggeber des Mordes zu sein. Sie werden im Januar 1963 öffentlich hingerichtet. Die UPRONA spaltet sich entlang ethnischer Kriterien. Neuer Regierungschef wird am 20. Oktober 1961 der Tare-Tutsi André Muhirwa. Die UNO beschließt am 6. Juni 1962, die beiden Gebiete Ruanda und Urundi als separate Staaten in die Unabhängigkeit zu entlassen. Das Land wird am 1. Juli 1962 von Belgien als unabhängig proklamiert. Unabhängigkeit und nachkoloniale Periode Das Königreich 1962 bis 1966 Der UPRONA-Gründer und Ganwa-Prinz Louis Rwagasore wurde 1961 Regierungschef und sollte das Land in die Unabhängigkeit führen. Seine Ermordung wenige Wochen nach der Wahl war der Auftakt für jahrezehntelange Machtkämpfe, den auch die Unabhängigkeit 1962, die Burundi damals als konstitutionelle Monarchie unter König Mwambutsa IV. erhielt, nicht stoppte. Rwagasores Nachfolger, darunter sowohl Hutu wie auch Tutsi, wurden gestürzt oder ermordet. Schon am ersten Tag nach Beginn der Unabhängigkeit (1.Juli 1962), bricht die Regierungspartei UPRONA in zwei rivalisierende Gruppierungen auseinander. In die so genannte Monrovia-Gruppe aus gemäßigten prowestlichen Tutsi und Hutu unter Führung des Hutus Paul Mirerekano und in die Casablanca-Gruppe aus radikalen Tutsis. Vorerst kann sich die Monrovia-Gruppe durchsetzen. Als erster Regierungschef des unabhängigen Staats Burundi bleibt André Muhirwa bis 1963 im Amt. Am 18. Juni 1963 wird Pierre Ngendandumwe Regierungschef und versucht das Land zu stabilisieren. Nachdem der seit 1915 regierende Mwami Mwambutsa IV. als Staatsoberhaupt die Entlassung von vier Hutu-Ministern durchsetzt, tritt Ngendandumwe als Regierungschef zurück. Er wird durch Albin Nyamoya, einen radikalen Tutsi, ersetzt. Dieser bildet am 6. April 1964 eine neue Regierung. Nyamoya ändert die prowestliche Politik seiner Vorgänger und lehnt sich an die Volksrepublik China an. Es kommt zu Grenzstreitigkeiten mit der Demokratischen Republik Kongo. Als im Dezember größere Mengen Waffen chinesischer Herkunft gefunden werden, verliert Nyamoya das Vertrauen des Mwami. Am 8. Januar 1965 wird er entlassen. An seine Stelle tritt sein Vorgänger Ngendandumwe. Dieser wird bereits wenige Tage später, am 15. Januar, von einer Gruppe radikaler Tutsis ermordet.Der Mwami ernennt den Präsidenten der UPRONA, Joseph Bamina zum neuen Regierungschef. Am 10. Mai 1965 finden die ersten Parlamentswahlen nach der Unabhängigkeit statt. Die UPRONA gewinnt klar mit 64% der Stimmen. Doch erhält die radikale Tutsi-Partei Parti du Peuple (PP) 30% der Stimmen und geht auf Konfrontationskurs zur UPRONA und trotz des Wahlgewinns zwingt der König Bamina, einen Hutu, zum Rücktritt. Am 24. Juli 1965 erklärt der König den Notstand. Neuer Regierungschef wird am 13. Oktober 1965 der Privatsekretär des Mwami, Léopold Biha. Er gehört zum Königsclan der Bezi-Tutsi. Sowohl die radikalen Tutsis wie die um ihre Regierungsverantwortung betrogenen Hutus versuchen im Oktober einen Staatsstreich. Die Armee, bestehend aus Tutsis, tötet in diesem Zusammenhang über 5000 Hutus. Darunter sind Ex-Regierungschef Bamina und Ex-UPRONA-Präsident Mirerekano. Der König ist diskreditiert und setzt sich nach Europa ab. Das Land treibt Richtung Bürgerkrieg. Michel Micombero, ein junger Armee-Kapitän der Tutsi war Oberbefehlshaber der Armee und kämpfte mit Ntare V. um die wirkliche Macht im Land, welche vorerst der neue Mwami gewann. 1965 hatte Micombero gerade seine Ausbildung in Belgien beendet und war schnell zum Verteidigungsminister aufgestiegen. Er vereinte die Armee, die größtenteils aus Tutsi bestand, und vorbereitete sich auf ein Putsch. Am 24. März 1966 wird der Sohn von Mwami Mwambutsa, Charles Ndizeye, neuer König (Ntare V.). Micombero wird am 11. Juli 1966 an Stelle von Biha neuer Regierungschef. Am 28. November 1966 putscht sich Micombero während eines Auslandbesuchs von Ntare V. an die Macht. Damit war die Monarchie abgeschafft und Burundi wurde zur Republik erklärt. Die Ära Micombero 1966 bis 1976 (Erste Republik) Michel Micombero wird erster Präsident der Republik. Gleichzeitig wird das Amt des Regierungschefs abgeschafft. Als Präsident wurde Micombero ein Verfechter des afrikanischen Sozialismus und erhielt die Unterstützung Chinas. Er errichtete ein standhaftes Regime von Recht und Ordnung und ging energisch gegen den Militarismus der Hutu vor. Micombero steht an der Spitze eines so genannten Nationalen Revolutionären Rats (wird 1968 aufgelöst). Er entfernt innerhalb von wenigen Jahren sämtliche Hutus aus Führungspositionen im Militär, Polizei und Verwaltung. Im September 1969 versuchen die letzten im Militär verbliebenen Hutu-Offiziere einen Putsch. Dieser misslingt und 23 Personen werden im Dezember 1969 hingerichtet. Micombero stützt sich immer mehr auf Tutsis aus seiner Heimatregion Rutovu und verärgert damit die anderen Tutsi-Clans. 1971 werden die letzten gemäßigten Tutsis innerhalb der Führung nach der Gründung eines Obersten Rates der Revolution aus den Führungszirkeln entfernt. Diesem dreißigköpfigen Gremium gehören nur noch jeweils zwei Vertreter der Hutu und der Ganwa (Hochadel der Tutsi) an. Als Ntare V. am 30. März 1972 aus unbekannten Gründen (die Vermutungen reichen von Zusagen betreffend seiner Sicherheit und einer persönlichen Amnestie bis zu gewaltsamer Entführung) aus Uganda in sein Heimatland zurückkehrt, wird er verhaftet.Kurz danach organisierten Hutu-Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten einen Aufstand in Burundi. Am 16. April 1972 folgen Massenverhaftungen unter Hutus. Am 29. April entlässt Micombero seine gesamte Regierung und den Präsidenten der Regierungspartei. In Bujumbura brechen Unruhen aus.In diese Zeit fallen viele Unruhen und Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi, wovon die schwerwiegensten sich 1972 ereignen, der vermutlich zwischen 100.000 und 300.000 Hutu zum Opfer fielen. Dabei scheint die Armee unter anderem gezielt auf gut ausgebildete Hutu "Jagd" gemacht zu haben. Sehr viele Hutu flohen in Nachbarländer, vor allem nach Ruanda und Tansania, aber auch in den Zaire (die heutige DR Kongo). Sie gründeten dort politische Bewegungen, darunter TABARA, aus der 1980 PALIPEHUTU hervorging. Diese interpretierte die politischen Konflikte in Burundi rein "ethnisch", als Repression gegen Hutu und optierte für den bewaffneten Kampf. In den Flüchtlingslagern in West-Tansania wurde der bewaffnete Flügel von PALIPEHUTU ausgebildet. Ntare V. wird in seinem Landhaus, wo er unter Arrest steht, von Anhängern Micomberos ermordet. Micombero gewinnt am 6. Mai mit Hilfe von ihm gegenüber loyalen Truppen die Oberhand. Sämtliche 450 in der Armee verbliebenen Hutus werden liquidiert. Gleichzeitig sterben bei Racheaktionen zwischen 3000 und 10.000 Tutsis. Die gesamte Hutu-Elite ist Mitte 1973 tot oder im Exil. Der radikale Tutsi-Führer Albin Nyamoya ist in dieser Periode (vom 15. Juli 1972 bis zum 5. Juni 1972) nochmals Regierungschef. Am 11. Juli 1974 erhält Micombero die totale Macht. Das Parlament wird aufgelöst und er ist in Personalunion Staatsoberhaupt, Regierungschef und Präsident der Regierungspartei. Am 1. November 1976 wird Michel Micombero in einem Putsch vom stellvertretenden Stabschef und entferntem Cousin Jean-Baptiste Bagaza abgesetzt. Micombero ging nach Somalia ins Exil, wo er am 16.Juli 1983 an einem Herzinfarkt starb. Die Ära Bagaza 1976 bis 1987 (Zweite Republik) Buyoya leitet ein Militärregime, welches sich Militärkomitee für das Nationale Heil nennt. Wegen kleiner Streitereien zwischen Tutsis und Hutus kommt es im August 1988 zum Eingreifen der Armee. Innerhalb einer Woche werden rund 20.000 Menschen getötet (der Großteil Hutus). Zehntausende Hutus fliehen aus dem Land. Am 6. Oktober 1988 setzt Buyoya eine Untersuchungskommission aus je zwölf Hutus und Tutsis ein, um die Vorfälle zu klären. Um die ethnischen Wogen zu glätten, wird die Zahl der Hutu-Minister von sechs auf zwölf Personen verdoppelt und der Hutu Adrien Sibomana zum neuen Regierungschef ernannt (19. Oktober 1988). In den folgenden drei Jahren kehren zahlreiche Hutus aus dem Ausland zurück. Mit der PALIPEHUTU ( Parti pour la Libération du Peuple Hutu) gründen sie am 1. Februar 1991 eine eigene Hutu-Partei. Im März 1993 wird eine neue Verfassung eingeführt, in der ethnische und religiöse Parteien verboten werden. Gleichzeitig werden weitere Parteien legalisiert. Buyoya ist der erste burundische Präsident, der Präsidentenwahlen zuließ. Am 1. Juni 1993 gewinnt der Hutu Melchior Ndadaye gegen Buyoya, und tritt sein Amt am 10. Juli an. Die Unruhejahre 1993 bis 2005 Am 29. Juni 1993 finden Parlamentswahlen mit mehreren Parteien statt. Am 10. Juli 1993 wird Sylvie Kinigi (Tutsi) Regierungschefin. Bereits 101 Tage nach seinem Wahlsieg wird Melchior Ndadaye bei einem missglückten Militärputsch am 21.Oktober getötet. Von diesem tragischen Tag an bis zum 27. Oktober 1993 behauptet sich der Putschistenführer Francois Ngeze an der Macht. Danach setzt sich die Armee durch. Vom ersten Tag an nach der Ermordung Ndadayes, kommt es zu fürchterlichen Massakern, denen dieses Mal vorwiegend Tutsis zum Opfer fallen. Schätzungen sprechen von 200.000 Toten. 300.000 Hutus flüchten in die Nachbarländer Kongo und Tansania. Die Regierungschefin Kinigi übernimmt bis zum 5. Februar 1994 kommissarisch das Amt des Staatsoberhaupts. Danach übernimmt der Hutu Cyprien Ntaryamira ( Hutu ) das Amt des Staatsoberhaupts. Am 7. Februar 1994 übernimmt Anatole Kanyenkiko , ein Tutsi, das Amt des Regierungschefs. Am 6. April 1994 wird das Flugzeug, in dem die Staatsoberhäupter Burundis und Ruandas sind, abgeschossen. Neues Staatsoberhaupt wird Sylvestre Ntibantunganya, ein Hutu der Partei FRODEBU.In Vororten von Bujumbura kommt es zu ethnischen Ausschreitungen. Ebenso im August nach der Verhaftung des Tutsi-Führers Mathias Hitimana ( PRP: Parti Royal du Peuple ). Im Dezember 1994 ruft die UNO beide Volksgruppen zur Mäßigung auf, nachdem es zu weiteren Zusammenstößen mit Toten und Verletzten gekommen ist. Am 16. Februar 1995 tritt der Regierungschef nach tagelangen Streiks auf Druck der Straße zurück. Nachfolger wird am 22. Februar 1995 Antoine Nduwayo, ebenfalls ein Tutsi. Das ganze Jahr 1995 finden kleinere und größere Massaker statt. Ungefähr 15000 Menschen sterben dabei. Nach Massakern an 4050 unbewaffneten Zivilisten in Gitega durch die Armee im Juli und August 1996 putscht sich die Armee unter Pierre Buyoya am 26. Juli 1996 wieder an die Macht. Daraufhin kam es zu internationalen Protesten und Boykotte, die die politische Führung unter Buyoya isolierten, aber leider auch das Land wirtschaftlich stark schwächten. In dieser Zeit wurden schließlich Verhandlungen unter der Führung von Präsident Nyerere aus Tansania eingeleitet, und später unter Vermittlung aus Südafrika (Nelson Mandela u.a.) fortgeführt. Im Laufe der Jahre hatten sich mehrere Parteien mit bewaffneten Flügeln gebildet (z.B. FRODEBU, PALIPEHUTU-FNL, CNDD-FDD), die die Interessen der Hutu zu vertreten beanspruchten. Sie wurden nach und nach in die Verhandlungen einbezogen, soweit sie dazu bereit waren. Aufspaltungen innerhalb der Rebellengruppen erschwerten den Verhandlungsprozess. Im Dezember 1993 wurde mit Unterstützung der FRODEBU die FDD (Forces pour la Defense de la Democratie) gegründet. Im März 1994 trafen sich Vertreter aller politischen Hutu-Bewegungen in Cibitoke um ein Gründungsdokument zu unterzeichnen. FRODEBU entschied sich gegen formale Mitgliedschaft, aber für finanzielle Unterstützung. Leonard Nyangoma gründete dann den Conseil National pour la Defense de la Democratie ( CNDD ), der zum politischen Flügel des FDD ( Front de Défense de la Démocratie ) wurde und den bewaffneten Kampf als einzige Möglichkeit sah, Hutu an politischer Macht zu beteiligen. Regionalismus und ständige Kämpfe um Führerschaft schwächten den FDD jedoch in der Folge ständig. FDD hatte seine Basen vor allem im Ost-Kongo ( Süd-Kivu ) und wurde durch den ersten Kongo-Krieg ( 1996-97 ) massiv geschwächt. Am 14. Mai 1998 wird der Ex-Putschist Francois Ngeze wegen Mordes an Staatspräsident Ndadaye angeklagt. 2000 wurde in Arusha ( Tansania ) ein Friedensvertrag zunächst vor allem zwischen Vertretern von UPRONA und FRODEBU unterzeichnet. Unter anderem soll eine neue Armee unter Integration von Teilen der Rebellengruppen gebildet werden. Flüchtlinge und intern Vertriebene sollen zurückkehren; Ansprüche auf Besitz geregelt werden. Auf einem regionalen Treffen in Nairobi im November 2000 wurde allen weiter kämpfenden Rebellen ( CNDD-FDD, PALIPEHUTU-FNL ), u.a. Sanktionen angedroht. In mehreren Parteien sind inzwischen Vertretern aller drei Volksgruppen, wenngleich in unterschiedlichem Verhältnis, vertreten. Eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union, später der UN, die vor allem von Südafrika gestellt und geführt wurde, sorgte für eine gewisse Stabilisierung. Der Präsident von Gabun schaffte es schließlich in zwei Treffen in 2001 CNDD-FDD und die burundische Übergangsregierung an einen Tisch zu bringen. Ein weiteres Treffen in Pretoria im gleich Jahr baute darauf auf, doch kam es danach zu einer Abspaltung ( FDD-CNDD ) unter Pierre Nkurunziza und weiteren Zersplitterungen der Rebellengruppen. Am 23. Juli 2001 unterzeichnen Hutus und Tutsis ein Abkommen über eine wechselnde Rotation zwischen Hutus und Tutsis im Amt des Staatsoberhaupts. Am 1. November 2001 wurde eine Übergangsregierung maßgeblich aus UPRONA und FRODEBU, aber auch Vertretern anderer politischer Parteien (Tutsi wie Hutu) gebildet. Zudem blieb PALIPEHUTU-FNL all diesen Treffen von vornherein fern. Am 30. April 2003 übernimmt der Hutu Domitien Ndayizeye die Präsidentenschaft des Übergangsregierungs und löst damit Buyoya ab. Bereits zu Beginn des Jahres war ein Waffenstillstand aller Parteien ausgehandelt worden Doch im November 2003 konnte nach schwierigen, oft entmutigenden, Verhandlungen sowie Treffen in Tansania und Südafrika endlich ein stabiler Waffenstillstand mit der CNDD-FDD, inklusive seiner wichtigsten Abspaltung ( FDD-CNP unter Nkurunziza ), geschlossen werden. Der Konflikt in Burundi kostete seit 1993 schätzungsweise 300.000 Menschen das Leben und in den schlimmsten Krisenzeiten waren zirka 1,3 Millionen Menschen intern vertrieben oder ins Ausland geflohen. Das Land ist wirtschaftlich extrem heruntergekommen, so dass es inzwischen das am stärksten von Hunger betroffene Land der Welt ist. Der Friedensprozeß hingegen ermöglichte unter anderem erste Ansätze einer unabhängigen Zivilgesellschaft, die die Parteien und politischen Machthaber kritisch beobachtet und Belange der Bevölkerung voranbringt. Außerdem nährte es doch die Hoffnung vieler Barundi, die im Exil lebten, so dass Flüchtlinge begannen, ins Land zurückzukehren. Deren Integration gestaltet sich jedoch schwierig, da Land und Arbeitsstellen sehr knapp sind, was zu erneuten Spannungen und Auseinandersetzungen führt Als letzte Rebellengruppe stellt die Forces National de Libération ( FNL ) am 1. Februar 2005 Kampfhandlungen ein. Im August 2005 wurden in Burundi erstmals wieder Wahlen abgehalten, bei denen die CNDD die Mehrheit erhielt und Pierre Nkurunziza neuer Präsident wurde. Die beiden großen Parteien der Übergangsregierung (UPRONA und FRODEBU) wurden - unter anderem wegen Korruption und Vetternwirtschaft - damit von der wählenden Bevölkerung "abgestraft".
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